Dienstag, 6. Dezember 2016

Still sein





Still sein ist eine Kunst, ein Werkzeug der Weisen.
Je besser wir die Kunst des still Seins beherrschen, desto ruhiger werden wir, desto klarer sehen wir, desto mehr des Überflüssigen lassen wir los, desto freier werden wir von all dem, was mit uns nichts zu tun hat.

Montag, 5. Dezember 2016

Eine wichtige Lektion




menschen verlieren ihre natürliche güte ebenso, wie ein baum, der mit der axt bearbeitet wird, seine natürliche schönheit und schließlich sein leben verliert. wenn tag für tag ein stück abgehackt wird, wie sollen der baum und der menschliche geist dann überleben?
(mencius)

die antwort ist nicht damit gegeben indem man sagt: mach was, du bist kein baum. 
manches schlägt so tiefe wunden, dass es auch einmal nicht heilt. 
das ist traurig, aber daran erkenne ich auch meine begrenzheit als mensch. 
und das ist auch eine wichtige lektion.

Sonntag, 27. November 2016

Übergangskrisen





Alles hat seine Zeit, auch Übergangskrisen.
Wenn wir uns in einer Übergangskrise befinden spüren wir, dass nichts mehr von dem was war sich anfühlt wie es einmal war.
Wir spüren, etwas muss sich ändern.
Wir müssen etwas ändern.
Tun wir das nicht, ändert es sich für uns.

Ein anstehender Übergang zeigt sich durch Symptome wie ...
innere Unruhe
ein Gefühl von Getriebensein
Desorientierung
Verwirrung
Angst
viele Dinge, die uns interessiert haben, interessieren uns nicht mehr
Beziehungen lösen sich auf
Freundschaften gehen auseinander
Vertrautes bricht weg
wir erleben Verluste auf vielen Ebenen
wir spüren einen inneren Druck, der nicht nachlässt
wir haben das Gefühl aus bestehenden Strukturen ausbrechen zu müssen
der normale Alltag ist immer schwerer zu bewältigen
wir haben das Gefühl in einem Niemandsland zu stehen
wir haben das Gefühl von Sinnverlust
wir haben das Gefühl ein Suchender zu sein, ohne ein Ziel vor Augen zu haben

Übergangskrisen sind Zeiten der Transformation ( lat. transformare für umformen).
Übergangskrisen bedeuten Chaos, innen und außen.
Sie bedeuten: Wir müssen Abschied nehmen vom Alten. Wir müssen uns wandeln, weil das Alte in unserem Leben nicht mehr funktioniert. Es gibt keine Möglichkeit so weiter zu machen wie bisher, wir müssen die Lebensrichtung wechseln, ob wir das wollen oder nicht. Da wir das Alte, das Vertraute aufgeben müssen wird ein gewisses Maß an Leid nicht zu vermeiden sein.

Das größte Problem in all den Krisen, die wir im Laufe unseres Lebens bewältigen müssen ist, dass wir nicht loslassen können. Dass wir krampfhaft festhalten wollen, was vermeintlich uns oder zu uns gehört. Wer aber das Alte mit Macht festhalten will, ist nicht frei für das Neue, das sich im Leben zeigen will. Die Krise zeigt uns ziemlich deutlich, dass das mit dem Festhalten auch nicht geht. Sie zeigt uns, dass die Strategien und Muster der Vergangenheit nicht mehr funktionieren.

Was jetzt?

Wir haben die Wahl. Die Krise überlässt es uns, ob wir Widerstand leisten oder ob wir sie bewusst annehmen und unser Leben ändern, weil es an der Zeit ist.

Nehmen wir die Veränderung nicht an, wird die Energie des Widerstandes sich gegen uns selbst richten - wir werden krank. Wir werden auf körperlicher Ebene oder/und auf psychischer Ebene krank wenn wir etwas aus unserem Bewusstsein verdrängen und es nicht annehmen wollen. Der Körper muss dann mit dem fertig werden, was das Bewusstsein sich weigert zu tun. Der Körper lügt nicht, der Verstand belügt sich gern und ihn straft der Körper dann der Lüge und zeigt uns was wirklich ist, damit wir endlich wach werden und uns bewusst dem stellen, was das Leben von uns will - Wachstum nämlich, auch wenn sich das in der Übergangskrise gar nicht so anfühlt, sondern vielmehr wie Vernichtung. Und es wird auch etwas vernichtet, nämlich das, was nicht mehr zu uns gehört.

Das chinesische Schriftzeichen für Krise hat zweierlei Bedeutung: Gefahr und Chance.
Genau hierin liegt der Schlüssel zum Umgang mit der Krise: Wir sehen sie als Gefahr oder wir verstehen sie als Chance.
Wir haben die Wahl.
Wir können vertrauen wenn wir ja sagen zu dem was ist.
Denn am Ende der Krise, wenn wir sie annehmen können, ist immer ein Licht.







Freitag, 25. November 2016

Zuhören ist eine Sache des Herzens

Wir kommunizieren ständig, aber wir führen nicht immer einen wirklichen Dialog. Vieles von dem, was  so manche Menschen für einen Dialog halten, ist etwas völlig anderes, nämlich ein Monologisieren. Und das ist eben kein echter Dialog. Es ist das Mitteilen dessen, was wir dem anderen sagen wollen. Die Betonung liegt auf: was wir sagen wollen. Entscheidend aber, damit ein wirklicher Dialog stattfindet, ist das nicht. Während wir nämlich glauben, wir hätten etwas eindeutig klar gemacht, spricht der andere so, als hätte er die Botschaft nicht empfangen. Hat er auch nicht!

Ein wirklicher Dialog beruht auf der Übertragung von Information beider Seiten und dem Wunsch, dass diese Informationen vom Gegenüber auch gehört und verstanden werden.

Ein echter Dialog bedeutet zuhören, achtsam zuhören, sich einlassen auf den anderen, auf das, was er denkt und fühlt und sagen will. Dialogisieren bedeutet den Focus auf den anderen zu richten. Es bedeutet, dass wir versuchen das Gesagte unseres Gegenübers nicht in unser eigenes Bild von zu Welt setzen und das seine achten und respektieren. Es bedeutet, uns zu vergewissern, dass seine und unsere Worte genau so ankommen, wie sie von beiden Seiten gemeint sind. Ein echter Dialog entsteht, indem wir zulassen und uns öffnen. Er findet dann statt, wenn wir "empfangen", indem wir hören, sehen und fühlen, was der andere zu sagen hat, indem wir achtsam verfolgen was uns gegenüber geschieht und es aufnehmen, indem wir den anderen zu uns lassen. Ja, eigentlich entsteht er dann, wenn wir die gleiche Sprache sprechen. Zugegeben ein eher seltenes Erlebnis. Viele Menschen sagen Ich und ich und das in Endlosschleife. Zum Gähnen ist das und höchst anstrengend. Um es platt auszudrücken: Es nervt.

Ich kann gut zuhören. Ich muss es auch können, sonst wäre ich im falschen Job. Achtsam zuhören ist ein wesentlicher Teil in meiner Arbeit mit Menschen. Im Privatleben wünsche ich mir wie alle Menschen, dass mir mein Gegenüber zuhört. Sobald ich merke, dass mir jemand nicht zuhört, werde ich immer stiller. Ich meide Menschen, die nicht zuhören können, denn sie erschöpfen mich. Sie drehen sich um sich selbst und ich fühle mich nicht wahrgenommen und nicht wertgeschätzt. Je öfter mir das mit einer Person passiert, desto seltener suche ich den Kontakt und eine Beziehung kommt nicht zustande.

Wie auch, denn jede Beziehung braucht eine Ich-, eine Du- und eine Wir- Zone. Ich erzähle von mir, du hörst mir zu, du erzählst von dir, ich höre dir zu, wir befinden uns in einem gemeinsamen Raum des Austauschs, getragen von Achtsamkeit, Respekt, gegenseitigem Interesse und Wertschätzung. Wenn diese dann noch liebevoll ist, umso schöner und erfüllender ist eine Begegnung.

Zum Zuhören gehört nicht nur die Ohren zu spitzen. Auf der unbewussten Ebene nehmen wir den Klang der Stimme, die Sprechmelodie, Signale des Körpers, die Mimik und Gestik unseres Gesprächspartners wahr. Dieses Gesamtbild erzählt uns mehr von unserem Gegenüber als das gesprochene Wort. Auf diese Weise nehmen wir, wenn wir achtsam beobachten und empathisch sind, sehr viel von einer Persönlichkeit wahr. Empathie ist der Zauberstab des achtsamen Zuhörers - die Fähigkeit sich durchlässig zu machen, sich in den Anderen einzufühlen, ihn spüren zu wollen in seinem Sein. Das verbindet Menschen mit Menschen. Je höher die Fähigkeit zur Empathie auf beiden Seiten, desto intensiver und erfüllender sind das Gespräch und die Beziehung, gleich welcher Art eine Beziehung ist.

Zuhören heißt auch, nicht in Gedanken schon die Antwort zu formulieren auf das, was der Andere gesagt hat. Wir können nicht gleichzeitig an etwas denken und aufmerksam zuhören. Dann sind wir nämlich bei uns und nicht beim Anderen. Erst wenn unsere Gegenüber ausgeredet hat, sind wir dran.

Es gibt Leute, die eine solche Ungeduld und ein solches Mitteilungsbedürfnis haben, meist gepaart mit einem fetten Ego, dass sie den Anderen ständig unterbrechen, damit sie schnell wieder dran sind mit reden, und es gibt chronische Unterbrecher, die die Sätze des Gegenübers vervollständigen und zwar mit ihren eigenen Gedanken.

Diese Menschen drehen sich narzisstisch um sich selbst, sie trudeln im eigenen Universum und haben weder das Interesse noch die Fähigkeit an das fremde Universum des Anderen anzudocken. Sie sind nicht beim Anderen und der Andere spürt das. Kein schönes Gefühl, wie ich finde. Richtig schlechte Zuhörer lassen ihr Gegenüber erst gar nicht zu Wort kommen. Ihre Worte sprudeln wie ein Wasserfall und prasseln auf das Gegenüber herab, bis es sich so richtig nass gemacht fühlt. Das ist energieraubend, das ist ein richtig mieses Gefühl so beprasselt zu werden. Das ist der Moment wo ich dann meistens STOPP sage und den Anderen bitte zwischendurch einmal Atem zu holen, und ihn dann frage: Ob er mich überhaupt wahrnimmt. Manchmal ist das hilfreich, manchmal ist es vergeblich. Es gibt Menschen, die jeden Satz, den du sagst, als Ausgangspunkt für das so Wichtige Eigene benutzen.

Wer achtsam zuhört stellt weiterführende Fragen und wirft nicht nur seins in den Gesprächsraum. Er fragt nach, er will wissen, er will verstehen, was der Andere denkt und empfindet. Er will den Anderen in seinem Sosein verstehen.
Er will ihn verstehen, weil er sich für ihn interessiert.

Zuhören ist keine Kunst, auch wenn das manche glauben, zuhören ist eine Herzenssache -  es ist der Wunsch einander zu hören, zu fühlen und innerlich zu berühren und berührt zu werden.
Man kann es lernen, sagt meine Erfahrung, wenn man es will.





Donnerstag, 24. November 2016

Genügsamkeit




Foto: Aw


Menschen, die mit ihrem Leben chronisch unzufrieden sind, sind in Wahrheit unzufrieden mit sich selbst. Sie finden in sich selbst nichts was sie wertschätzen können, nichts wofür sie dankbar sein können, sie sind mit nichts, was ihnen das Leben schenkt, je zufrieden.
Was wir von uns selbst halten, wie wir von uns selbst und über das Leben denken wird zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. So wird der Unzufriedene, ganz gleich was er vom Leben erhält, immer unzufriedener. Was für die Einstellung uns selbst gegenüber gilt, gilt auch für unsere Einstellung dem Leben gegenüber: Es antwortet auf unsere Haltungen und Meinungen wie ein Echo.

 ...


Je weniger du haben willst, desto eher hast du alles, was du willst.
Das ist das Geheimnis der Genügsamkeit.

Montag, 21. November 2016

Es gibt keine größere Macht, die Menschen bindet, als die Angst.






Angst, die nicht benannt wird, beherrscht das Leben.
Es gibt keine größere Macht, die Menschen bindet, als die Angst.
Wenn du Angst verspürst könntest du die Angst fragen: „Warum bist du gekommen? Was willst du mir sagen?“ Dann könntest du dir die deine Angst aus der Nähe ansehen und ihr ein Gesicht und einen Namen geben. Und dann warte geduldig, ob du aus irgendeinem Winkel deiner Seele eine Antwort bekommt.

Es ist in Ordnung Angst zu haben, sie ist ein gesundes Warngefühl, sie zeigt uns was in unserem Leben nicht stimmt. Im Grunde ist sie nicht unsere Feindin, sie ist sogar eine Freundin. Sie ist ein Freundin, die ein Anliegen hat. Sie will, dass wir etwas verändern, damit wir sie nicht mehr brauchen, sie will uns zwingen, innezuhalten und genau dort hinzuschauen, von wo wir den Blick schon lange abwenden.

Tun wir das nicht kann die Angst immer mächtiger werden. Sie kann so mächtig werden, dass sie sich in Panikattacken äußert. Sie muss ja so groß, so laut, so pochend, so überwältigend werden, damit wir endlich auf sie hören, damit wir uns endlich aufmachen und herausfinden was in unserem Leben oder in unserem Seelenhaus nicht stimmt.

Sich der Angst stellen, heißt ihr entgegen zu treten, sie zu verstehen versuchen und von ihr lernen wollen. Dazu braucht es Mut und der steht immer hinter der Angst. Wir könnten ihn uns zur Seite stellen und gehen, in die Angst hinein gehen, mutig wie der Held, der sich dem Drachen nähert. Je öfter unser Mut über unsere Angst siegt, desto mehr kommen wir in unsere Kraft, desto mehr trauen wir uns zu. Desto mehr trauen wir uns zu tun was wir wirklich wollen und was gut für uns ist.
Wir nehmen uns selbst und unsere Bedürfnisse ernst und setzen uns dafür ein, dank der Angst.
Und dann darf sie gehen.

Ja, das ist nicht einfach. Aber das hat uns auch keiner versprochen.

Freitag, 18. November 2016

Bodenlos

Foto: AW

Wir alle haben Gerüste, Säulen auf denen wir unsere Leben aufgebaut haben, Menschen, denen wir vertraut haben, Gewohnheiten und Rituale auf die wir uns verlassen haben. Und dann plötzlich bricht etwas davon weg oder alles bricht weg. Und dann stehen wir da und sind erschüttert. Wir erfahren die Bodenlosigkeit unserer Existenz. Das macht Angst, das macht sogar große Angst, denn woran uns halten, wenn alles Vertraute uns verlassen hat?

Da helfen uns keine Worte wie: Du schaffst das, du bist stark, du wirst daran wachsen. Das sind Kopfworte, die der erschütterten Seele nicht helfen, denn sie fühlt das jetzt nicht, egal wie oft ihr das gesagt wird. Sie trudelt im leeren Raum, findet keinen Halt und fürchtet sich. Was machen wir mit dieser furchtsamen Seele? 

Was machen wir wenn es keinen Halt und keine Hilfe da draußen für uns gibt? Wie uns selbst helfen wenn wir nach Hilfe rufen und keine Barmehrzigkeit erfahren? Wenn da nichts mehr ist, nur wir selbst und die Bodenlosigkeit? Ich habe darauf nur eine Antwort: Wir könnten Vertrauen üben in die Barmherzigkeit Gottes, vertrauen in die allumfassende Liebe, die uns bis hierhin getragen hat, vertrauen üben in uns selbst, denn wir sind göttliche Wesen. Wir sind zu viel mehr fähig als wir glauben, wir sind keine Opfer - wir sind Schöpfer, auch wenn wir das im Moment der Bodenlosigkeit nicht mehr glauben können. Wir sind fähig uns selbst zu halten. Und vielleicht ist es genau das, was die Erfahrung der Bodenlosigkeit uns lehren will: Uns selbst vertrauen. 

"Fear is a natural reaction to moving closer to the truth”
  Pema Chödrön